Santorin für Individualisten



Ruhe-Inseln...



"... nur nicht alle schönen Plätze verraten..."
...schrieb mir kürzlich eine Leserin.

Keine Angst, ich verrate hier keine Geheimnisse. Jeder, der eine halbwegs brauchbare Landkarte besitzt, kann sich anhand der Besiedlungsstruktur leicht ausrechnen, wo die "Ballermann-freien" Zonen sind.

Landkarten gibts in allen Souveniershops. Leider sind sie etwas ungenau. Sie stimmen zwar im Groben, aber die Feinheiten (viele kleine Wege und Stichstraßen) muß man selbst erkunden und in die Karte einzeichnen. Beste Karte ist die von "TOUBI´S"
(Oder versucht es einmal mit meiner
Landkarte, die Ihr Euch (völlig kostenlos übrigens ) auf DIN A4 ausdrucken könnt.)
Ihr könnt neuerdings auch eine ganz nette
Landkarte hier im Buchhandel kaufen.

Daß es kein vernünftiges Kartenmaterial gibt, habe angeblich militärische Gründe. Tatsächlich spielt militärische Sicherheit bei den Griechen eine große Rolle. Auf fast allen griechischen Inseln stößt man früher oder später auf ein (meist abgesperrtes) Areal mit militärischen Anlagen. So auch auf Santorini: Dort haben sie völlig unverständlicherweise einen Radar- und TV-Turm samt Miltäranlagen an die Mauern des Klosters Profitis Elias geklebt.

Mittels der verfügbaren Landkarten ist es trotzdem gar nicht so schwer, ein halbwegs ruhiges Plätzchen zu finden, denn der größte Rummel spielt sich in den Hauptorten Thira, Oia, Kamari und Perissa ab und natürlich an den Hauptstränden in Kamari und Perissa. Die Orte im Inselinnern sind wesentlich weniger voll und bieten außerdem eine Menge fürs Auge. Außerdem sind sie in der Regel viel ursprünglicher und weniger "lackiert", als die Orte der Touristenzentren. (Die einzelnen Orten im Inselinneren findet Ihr in der
Sightseeing-Liste)

An manchen Tagen, wenn man die Nase voll hat vom Sightseeing und den vielen Menschen, möchte man einfach nur ein ruhiges Fleckchen haben, an dem man es sich bequem machen und relaxen kann. Nach Möglichkeit natürlich mit grandioser Aussicht aufs Meer und aufs Land.



1.Tip: Zur Kapelle Zoodocho Pigi (lebensspendender Quell)
So findet Ihr hin: Fahrt nach Kamari (Karte K/L 11) und von dort die leicht zu findende Straße nach Alt-Thera (Ancient Thera) hinauf. (es fahren auch kleine Busse rauf- Fahrzeiten stehen unten am Anfang der Serpentinenstraße unübersehbar angeschlagen) In der 5. Kehre von oben (von unten habe ich noch nicht gezählt) ist eine ganz kleine Parkfläche, wo Ihr Euer Fahrzeug abstellen könnt. Von dort führt ein Weg horizontal am Berg entlang, der im weiteren Verlauf auf einen Stufenweg trifft, der steil nach unten geht. Von dort kann man schon die kleine Kapelle mit dem großen Affenbrotbaum sehen.
Es ist wunderschön dort oben auf dem Platz vor der Kapelle: windstill, schattig und ruhig. Man kann dort sehr schön sitzen und hat obendrein noch einen tollen Blick ins Tal Richtung Kamari. Ab und an kommen ein paar Wanderer vorbei, die über den Wanderpfad von Kamari gekommen sind. (Genaue Beschreibung dieses Wanderwegs kommt vielleicht später noch) Neben der Kapelle sieht man eine dunkle Höhle, aus der plätschernde Geräusche nach außen dringen. Dies ist der "lebensspendende Quell"; der ganz hinten in der Höhle sprudelt. Oder besser tropft, denn genaugenommen kommt das Wasser aus der Höhlendecke. Dieses Wasser war einmal Regenwasser und braucht 40 Jahre, um durch den Fels zu sickern. Allerdings ist das Betreten der Höhle nicht jedermanns Sache: Von der Decke hängen Spinneweben und allerlei anderes undefinierbares Zeugs und an der Quelle kann man sich leicht den Kopf stoßen - Autsch!. Am Eingang liegen ein paar Kerzen herum, die für die nötige Beleuchtung sorgen sollen, wenn sie nur nicht dauernd vom tropfenden Wasser ausgelöscht würden.
Aber: die Unannehmlichkeiten werden mit herrlich erfrischendem Wasser belohnt, das man auch unbeschadet trinken kann (ein dreiviertel Jahr überlebe ich es jetzt jedenfalls schon ;-))

2. Tip:
Ein himmlisches Fleckchen am Kraterrandweg.

Blick von der kleinen Kapelle am Eliasberg in den Kratersee (Caldera)
und dem markanten Skarosfelsen mit dem "Pips" obendrauf


Von allen Wanderungen auf Santorin ist jene entlang des Kraterrandes mit Sicherheit die Faszinierendste.
Weg-Beschreibungen gibt es in allen Reiseführern, aber eigentlich kann man den Weg auch intuitiv finden. Auf der gesamten Strecke finden sich eine Menge angenehme Flecken zum 'Abhängen' und Relaxen. Leider aber fehlt es den meisten an Schatten und Windschutz.
Eines meiner Lieblingsplätze befindet sich an einer kleinen Kapelle ganz in der Nähe des kleinen Eliasberges, wo die Insel am schmalsten ist und man gleichzeitig in das Tief-Blau der Caldera auf der einen und auf das Meer auf der anderen Insel-Seite blicken kann. Schattig, windgeschützt und ruhig. Herrlich!
So kommt Ihr schnell hin: Grundstuecksmauer
Man fährt mit dem Roller auf der asphaltierten Hauptstraße von Imerovigli Richtung Oia. Nach einer 'kleinen Weile', wie es in meinen Aufzeichnungen leider etwas ungenau steht (ca. 500m), sieht man auf der linken Straßenseite ein (lachs-orange-farbenes) Haus (Restaurant Iris) mit einer recht eigenwillig gemauerten Grundstücksumrandung, etwa so wie die rosa Grafik oben. Hinter dem Haus links abbiegen. Man gelangt nun auf einen Schotterweg, der direkt zum Kraterrandweg führt (Super Aussicht!) Dort ein Stückchen rechts fahren, bis sich der Weg teilt und rechts ein betonierter Fahrweg ziemlich steil nach oben geht. Da muß man hoch und nach ca. 100 - 200 m sieht man schon den Berg vor sich mitsamt der kleinen (neu restaurierten) Kapelle. Wer von Imerovigli über den Kraterrandweg kommt und nicht über die Hauptverkehrsstraße Thira-Oia, kann sich mit Hilfe dieser Beschreibung auch gut orientieren. Achtet einfach auf den steilen (grob) betonierten Fahrweg rechter Hand.

"Also der (kleine) Elias-Berg als Ruhe-Tip ist nach wie vor unschlagbar.
Mit diesem Tip haben wir einen so einzigartigen Sonnenuntergang erlebt.
Wir sind von der Kirche aus auf die Bergspitze geklettert und haben von dort aus beobachtet, wie die Sonne hinter Oia untergeht. Es war einfach einzigartig und unschlagbar. Vorallem die Stille und Zweisamkeit auf einem Fleck, der nahezu unberührt ist (und hoffentlich auch bleibt), war überwältigend. "(Verena & Gerald Marinitsch)
Martina schreibt:

... jedenfalls wollte ich mich noch mal bedanken für den Tipp mit der Kapelle auf dem kleinen Eliasberg. Es war so ruhig und romantisch dort, dass wir diesen Ort wählten, um uns bei untergehender Sonne zu verloben. Besser hätte man es kaum machen können.

.


3.Tip:
Irgendwo am Strand...

Der berühmte Strand 'Red Beach' in der Vorsaison (noch ohne Rummel und Sonnenschirmverleih)

Strände gibt es satt an der gesamten Ost- und Südküste. Sie bestehen aus mehr oder weniger grobem Lavakies. Bei Perissa ist es eher feiner Lavasand. Dort empfehlen sich auch Badeschuhe fürs Wasser, da viele glitschige Felsplatten das (barfuß)-Laufen im und am Wasser ungemütlich machen.

   

Da sich der schwarze Lavakies/sand in der Sonne tierisch aufheizt, habt Ihr die Wahl zwischen "Santorini Beach Dance" (= die eher unfreiwillige Darbietung einer tanzähnlichen Vorwärtsbewegung mit nackten Füßen in Richtung kühlendem Wasser) oder Badeschuhen. Es empfiehlt sich daher auch, ein dickes Badetuch als Unterlage mitzunehmen.


In Kamari, Perissa und Red Beach/Akrotiri stehen überall die Sonnenschirme samt Liegestuhl für den Pauschaltouristen bereit. Dies sind also die Strände, die man eher meiden sollte, wenn man etwas Ruhe will. Die anderen Strände der Insel sind im Vergleich dazu geradezu "unerschlossen". Dies sind:

Baxedes etwa 3 km nördlich von Oia
Ammoudi und Armeni unterhalb von Oia
Exo Gialos (Pigadia) (teilweise hohe Bimssteinwände)
Monolithos in der Nähe des Flughafens
White Beach und Kampia Beach westlich von Akrotiri
Mesa Picadi Beach auf der Akrotiri Halbinsel
Vlychada zwischen Kap Exomitis und Akrotiri

>>>hier gibt's weitere Infos zu Stränden

   

Meine besonder Empfehlung ist die gesamte Südostküste, insbesondere der
Strand Vlychada:


Dort haben sich die Bimsstein-Lapilli des Vulkanausbruchs in einer Stärke von 40-60m abgelagert. Wind und Wetter haben daraus fantastisch bizarre Formationen entstehen lassen. Man findet dort viele einsame kleine ungestörte Eckchen.
Nachteil (?): man muß eine ganze Ecke am Strand laufen (von Akrotiri aus zum Beispiel), bis man da ist. Außerdem gelegentlich Kraxelei über große Steinblöcke.
Von der Tomatenfabrik aus aber kein Problem


4.Tip:
Auf den Gavrilos Berg
(Karte H/I 14)





So unscheinbar sieht der Gavrilos von der Straße aus. Hier müßt Ihr rechts abbiegen. Auf dem Kamm des Berges sieht man die Überreste der vielen Windmühlen, die man aber nicht mehr aufbauen will, da sie der Wind regelmäßig wieder umbläst.


Blick von der kleinen Kapelle oben auf dem Gavrilos

So kommt Ihr hin: Von Fira aus fährt man allgem. Richtung Athinios-Akrotiri-Perissa. Nach rund 8 km Weggabelung: rechts geht's nach Akrotiri, geradeaus nach Perissa. Kurz hinter dieser Weggabelung größeres weißes Haus rechts mit Kiosk und Künstleratelier "Akrotiri Wallpaintings" (Ein Stopp lohnt). Daran vorbei, aber jetzt aufpassen, denn gleich kommt rechts ein winziges Hinweisschild, das auf einen (noch) unbefestigten Weg zeigt. Dort rein und rechts halten. Weg führt auf eine schöne Asphaltstraße, die relativ steil auf dem Rücken des Gavrilos Berges entlangführt.

Die Teerstraße führt an den markanten und schon von weitem sichtbaren aber leider kaputten Windmühlen vorbei. Ganz am Ende der Teerstraße steht eine Taverne (nennt sich 'Venus-Club'... tz tz) und noch etwas weiter eine kleine Kapelle. Hier fantastische Rundum-Blick. Hinter der Kapelle ist nur noch Ruhe angesagt. Der Gavrilos fällt hier sanft ab unter Blumen-Wiesen und Weiden. Hier oben bekommt man auch endlich einmal ein paar Pferde zu Gesicht. Sonst gibt es ja immer nur Esel und Maultiere.
Ein kleiner Pfad scheint nach unten in Richtung Meer zu führen (ich habe ihn noch nicht ausprobiert...)

Aber man kann hier oben auch einfach nur relaxen (ohne zu wandern...)

 


5. Tip: Abhängen auf dem Profitis Elias.

Der Elias Berg von Süden aus.
Naja - so toll ist das Bild nicht, zumal auch die ätzende Radaranlage oben am Kloster die Sache von hier aus etwas unromantisch erscheinen läßt. Der Wanderweg verläuft aber auf der anderen Seite des Berges und wenn Ihr dann da seid, scheint auch bestimmt die Sonne... :-))
Der Profitis Elias (oder auch: Illias) ist mit 565m der höchste Berg der Insel. Zusammen mit dem Mesa Vouno, dem Gavrilos-Berg und dem Felsen von Monolithos bildet er das Grundgebirge, d.h. den geologisch ältesten Teil der Insel und ist etwa 200 Mio. Jahre alt. Wie viele andere hohe Berggipfel in Griechenland trägt auch er den Namen des Propheten Elias, der ja den höchsten Berg wählte, um mit seinem feurigen Wagen direkt in den Himmel zu fahren.
Der Gipfel des Elias ist eigentlich kein richtiger Gipfel, sondern eher ein Bergkamm.
Natürlich kann Euch kein Mensch daran hindern, den Berg zu Fuß zu erklimmen, aber es geht auch einfacher. Wenn Ihr motorisiert seid (Roller wäre ideal), dann könnt Ihr ab Pyrgos die tolle Serpentinenstraße hinauf bis zum Kloster Profitis Elias fahren (das, mit den militärischen Anlagen, s.o.). Etwas unterhalb des Klosters (aber auch ganz oben) befinden sich hier und da kleine Parkplätze, wo Ihr Euren Roller abstellen könnt. Oben am Kloster beginnt jenseits einer Befestigungsmauer linker Hand ein kleiner Wanderpfad. Dieser führt über den Profitis Elias Bergkamm und dann weiter zum Mesa Vouno über den Sellada-Sattel, den man von oben aus sehen kann. (siehe auch
Alt-Thira)

Schwindelfrei sollte man schon sein, denn es pfeift auf diesem Pfad teilweise ganz schön nach unten. Nach ca. 8 Minuten seid Ihr jedenfalls auf dem Haupkamm des Berges und am Ziel Eurer (Ruhe)-Träume. Ich habe mir dort immer ein windgeschütztes Plätzchen mal auf der einen Seite mit Blick nach Kamari und Flughafen und mal auf der anderen mit Blick auf Perissa gesucht. Wenn man eine ordentliche Windjacke dabei hat, eine Sitzunterlage, Sonnenschutz und etwas Proviant, kann man es da ziemlich lange aushalten. Gelegentlich sieht man ein paar Wanderer, ansonsten ist es - abgesehen vom Wind - wirklich ruhig.

Wenn man Glück hat und die Luft klar ist, hat man vom Profitis Elias aus einen Super Rundumblick auf die umliegenden Inseln mit Ios, Paros, Naxos, Milos, Astipaela und vielleicht sogar Kreta als einen winzigen Streifen am Horizont.

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Letzte Änderung dieser Seite:22.2.2000

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